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Populärmusik für Fortgeschrittene

.plattenkritik: ian brown - “the world is yours”*

Ex-Stone Roses Sänger Ian Brown hat ja das Problem, dass es immer seine Ex-Band braucht um ihn musikalisch und pophistorisch einzuordnen. Und das obwohl er als Solokünstler schon viel länger unterwegs ist und auch mehr Alben vorgelegt hat als mit seiner ehemaligen Band.
Aber die Stone Roses waren eben eine wichtige Band, haben psychodelische Grooves, Rock, Popmelodien und Danceelemente mit selbstsicherer Working Class Attitüde vermischt und mit den Grundstein für das gelegt was später Britpop wurde. Noel Gallagher bezeichnete die Band einmal als “Blaupause für Oasis”. Die Stone Roses selbst haben, nach einem epochalen und einflussreichen Debüt und einem viel zu späten Nachfolger, den Britpopzug stilsicher verpasst. Und während Gitarrist John Squire den Rock zuerst zu den Seahorses und später in die Versenkung mitnahm, rettete Ian Brown die psychodelischen Grooves und die Popmelodien in seine Solokarriere hinüber. Was einem Hip Hop Fan und bekennenden Kiffer wie ihm auch viel besser steht.

Browns Solowerke waren immer durchwachsen. Es gibt wohl kein Album von ihm, das durchgehend gut ist, andererseits hat er genug starke Stücke zusammen gebracht, um ein Best Of Album zu rechtfertigen. “The World Is Yours”, Ian Browns sechstes Studioalbum, fügt sich nahtlos in diese Reihe ein, wobei die seit dem Vorgänger “Solarized” wieder ansteigende Formkurve fortgesetzt wird. Soll heißen “The World Is Yours” ist eine von Browns besseren Platten. Der Titelsong und “On Track” sind ein starker Einsteig mit griffigen Melodien. Die Beats blubbern und grooven von midtempo bis langsam und großteils mellow dahin, darüber singt, spricht und reimt Brown engagiert, motiviert und immer entspannt. Hier ist seine Affinität zum Hip Hop unverkennbar. Verziert werden die Songs von weiten Streichern, Piano und einigen Computerpiepsern. Einmal darf sogar eine fiese E-Gitarre ran. Dann wird das Album für ein paar Songs stark beliebig, taucht aber mit “Street Children” und “The Folks Are Hollow” wieder stark auf. Und das kleine, bluesige Gitarrenlick auf “Me And You Forever” gewinnt Herzen.

Zum Schluss bekommt der Ian dann noch prominenten Besuch, denn hohes Ansehen genießt er im englischen Popuniversum immer noch. Sinead O’Connor (ja die gibt’s noch) leiht der ersten Single (und gleichzeitig dem Abschlußtrack, gabs das schon mal?) “Illegal Attacks” ihre immer noch berührende Stimme. Ein bitteres und zorniges Statement zum Irakkrieg und der britischen Beteiligung daran ist es geworden und ein astreiner Hit. Dass er damit halt etwas spät dran ist und solche Aussagen mittlerweile zum guten Ton gehören, wenn man als Künstler ernst genommen werden will, fällt bei Ian Brown wenig ins Gewicht, denn sein Zorn ist echt und seine Worte wahr. Und Kiffer brauchen nun mal etwas länger. Christoph Schwarz



Kommentare zu “.plattenkritik: ian brown - “the world is yours”*

  1. pezi meint:

    F.E.A.R. ist und bleibt für mich sein großes meisterwerk… den neuen sachen fehlt meiner meinung nach ein wenig - alles durchwegs solid-groovende Melodien, aber nichts was würdig um meine ganze aufmerksamkeit ringt :) wiewohl ich die zweite albumhälfte um einiges stärker find.

  2. silvo meint:

    schöner beitrag… mir taugt das neue album :)

  3. christoph meint:

    Ich find “solarized” am stärksten…..da ist zufällig auch gallagher drauf ;-) und es kostet immer noch überall 18€ und wird nicht und nicht billiger….muss also gut sein :-)



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