Monti

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Populärmusik für Fortgeschrittene

.live: Xiu Xiu (brut im Künstlerhaus Wien)*

Mit großen Worten habe ich Xiu Xiu schon an anderer Stelle bedacht. Auch Kollege Christoph Ivenz kam schon in den zweifelhaften Genuß einer Beschreibung jenes vertonten Unbehagens, das Jubel und Dankbarkeit erntet, wo es sät (nämlich beim Publikum).

Die Aufgewühltheit, die entsteht, wenn Jamie Stewart mit seinen Begleitern (zur Zeit Caralee McElroy und Ches Smith, als Support der beeindruckende Chris Garneau) den blanken Schmerz in Form von Text oder Ton (es waren wohl die Trillerpfeifen, die diesmal am härtesten trafen) ins das Auditorium schickt, ist tatsächlich am ehesten mit Gefühlen der Freude oder Lust verwandt. Diese Rezipientenempfindung steigert sich hörbar, je nachdrücklicher sich die Songs aus allerlei Xiu Xiu Alben mittels Percussion, Stromgitarre, Keyboard, Omnichord, Xylophon, Flöte, Samples usw. von ihrer Studiolautstärke und -intensität abheben. Und dieser Effekt wiederum schließt auf makabere Weise den Kreis zum Ausgangspunkt vieler Stücke: die Verbindung von Wärme und Schmerz, Liebe und Gewalt - verstümmelte Hörigkeitsballaden, lyrisch-bitterer “Kriegsjournalismus” des grausam-süßen Lebens.

Nicht, dass “the scorpion in our chests” (F.T.W.) jedem Anwesenden ein echter Begriff wäre, aber für das rund sechzigminütige Konzert weiß wohl jeder den Stich zumindest einmal zu spüren. Glaube ich zumindest dort, wo Applaus und Jubel am stärksten werden, nach No Friend Oh!, Fabulous Muscles oder Boy Soprano, einschneidende Erinnerungen an diesen Abend…

Der geht dann auch recht schnell und ohne eine lange geforderte Zugabe zu Ende. Es gibt eben Dinge, die sich nicht künstlich ausdehnen lassen. Sich nicht der Widersprüchlichkeit des “popular demand” bis zur letzten Konsequenz hingeben wollen. Die hätte in meiner Vorstellung auch dort geendet, wo Michael Gira nicht erst kommendes Monat Wien beehrt, sondern schon an diesem Abend zum gemeinsamen Under Pressure auf die Bühne tritt. Aber zum Glück spielen Xiu Xiu keine Wunschkonzerte.  Michael Giebl



1 Kommentar zu “.live: Xiu Xiu (brut im Künstlerhaus Wien)*

  1. maxi meint:

    Es war ein wunderschönes, großartiges Konzert einer der wohl progressivsten Bands, die zur Zeit noch Plattenverträge haben :D

    Ob der Applaus allerdings bei diesem Konzert mit der Zustimmung des Publikums gleichzusetzen ist, weiss ich nicht,
    denn einige der ruhigeren Songs waren herausragend, aber auch so ruhig, dass ein darauffolgender Jubel einiges zerstört hätte
    und das hat das Publikum - glaube ich - auch gespürt und hat dementsprechend sensibler reagiert.

    auf jeden Fall ein schöner Abend an einem faszinierenden neuen Veranstaltungsort.



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