
Ben Folds, einer meiner musikalischen Helden, hat ein neues Album – sein drittes Album – herausgebracht: Hurra oder doch eher zum Gähnen?
Natürlich ist der vorzeige Indie-Nerd, der musikalische Stadtneurotiker Ben Folds nicht immer einfach zu hören oder zu verstehen. Als Einführungswerk zum langsamen Einhören in die verquere Welt des Ben F. nehme man daher das 1997er Album seines Sideprojects Ben Folds Five „Whatever And Ever Amen“ her und kriegt auch mehr als 10 Jahre später noch zeitlose Indieklassiker serviert. Ich denke hier an „One Angry Dwarf And 200 Solemn Faces“ oder „Song For The Dumped“ aber auch das wunderschön ruhig-melancholische „Brick“.
Ben Folds ist auch abseits seiner Five ein Musiker, der die College-Rocker unter uns mit „Rockin‘ The Suburbs“ schon 2001 zum Ausflippen und Tanzen brachte. Dem breiteren Publikum ist er spätestens seit zwei Jahren ein Begriff, als er die Single „Rockin‘ The Suburbs“ und einige Songs mehr zum Soundtrack des Animationsfilms „Ab durch die Hecke“ beisteuerte. Und Anhänger des Spoken-Word-Genres erinnern sich vielleicht auch daran, dass Ben Folds bei der Produktion des William Shatner-Albums „Has Been“ ordentlich mitgemischt hat. „supersunnyspeedgraphic, the lp“ kam als zweites Album ebenfalls im Jahr 2006 auf den Markt. Bemerkenswerte Nummern dieses Silberlings sind „Bitches Ain’t Shit“ und „Get Your Hands Off My Woman“ (das es als Glam-Rock-Version auch von den britischen The Darkness gibt).
Ben Folds ist also Freigeist und Nerd, Multiinstrumentalist und Produzent und nun auch noch „Way To(o) Normal“. Für meinen Geschmack ist sein aktuelles Album ein wenig zu angestrengt, vor allem wenn man die beiden großen Geschwister mit den oben angeführten Top-Hits kennt. Und trotzdem sind es solide Pop-Songs. Das Duett mit Regina Spector (der Kate Bush des neuen Jahrtausends) „You Don’t Know Me“ ist eine lässig hingeschmissene Performance zweier Profis. Der kleine inhaltliche Seitenhieb auf der Tracklist mit den Songs Nr. 5 „Before Cologne“ und Nr. 6 „Cologne“ lässt die Feingeister schmunzeln. Ben Folds ist ein Könner und Ausnahmemusiker. Er hat sich seinem eigenen Stil verschrieben, den man mag oder eben nicht. Er bleibt bei dem, was er am besten kann, nämlich Indie-Pop. Überraschungen oder stilistische Experimente darf man sich von ihm keine erwarten. So bleibt als drittes ein mittelmäßiges Album eines großartigen Musikers. Gähn!