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Populärmusik für Fortgeschrittene

.plattenkritik: Red Lorry Yellow Lorry - The Very Best Of*

redlorry

“The Lorries are yet another sign that music in Britain may yet again get as tough as life in Britain.” - so wurde ironischweise von einem New Yorker Kritiker damals über die Band Red Lorry Yellow Lorry aus Leeds sinniert. Dementsprechend wurden die 1985 mit der LP “Talk About The Weather” debütierenden Briten gerne in die Schublade “Gothic Rock” gesteckt, obwohl sie sich (wie etwa auch die Vorzeige-Goth-Rocker Sisters Of Mercy) gegen diese Zuschreibung angeblich strikt zur Wehr setzten. Lieber ließen sie sich da schon als inspiriert von den Punknachfolgern Killing Joke und Wire zitieren. Mit der “Very Best Of”-Sammlung des Labels Cherry Red können sich nun auch die jüngeren HöhrerInnen nachträglich ihre Schubladenmeinung bilden.

Wohl unbestritten bleibt, dass Red Lorry Yellow Lorry mit ihrem sehr britischen Mollsound der damaligen Zeit die Aufmerksamkeit eingeweihter Kreise und wichtiger Protagonisten der Musikszene, etwa des seligen John Peel, zu Recht genossen. Tief-hohle Basslagen des Sängers Chris Reed, pochende und treibende Drums vom späteren The Mission-Mitglied Mick Brown und summende, noisig-dröhnende (Bass-)Gitarren mehrmals wechselnder Musiker vereinten sich stimmig zu einem Sound, der für Melancholie zu fordernd und für Wut zu reflektiert gewesen sein dürfte. Demungeachtet blieben die inzwischen zur lebenden Legende gewordenen Red Lorry Yellow Lorry verkaufstechnisch nicht erfolggekrönt und mussten nach zahlreicher Labelwechsel und insgesamt fünf Studioalben Anfang der Neunzigerjahre vorerst die Bühnen räumen.

Die schon im Jahr 2000 erschienene “Very Best Of”-Sammlung bietet also einen umfangreichen - in der Kategorie Tonqualität leider nicht positiv hervorstechenden - 23 Songs umfassenden Überblick über eine weitere (inzwischen reanimierte) “geschichtliche” Band mit viel Potential und wenig Erfolg. Und dieser zeigt vor allem, dass Red Lorry Yellow Lorry nach wie vor als eine der unterschätzten Hauptakteure kluger, “dunkler” Rockmusik ohne Testosteron, Pomp und Pathos zu betrachten sind.

Um im Nachhinein Schuld der Kritikerzunft abzutragen: Hört Red Lorry Yellow Lorry, wenn ihr Killing Joke und Wire (naja, vielleicht doch eher The March Violets) mögt! Michael Giebl

Höhepunkte:
Beating My Head, Monkeys On Juice, Last Train, Walking On Your Hands, She Said, Heaven, You Are Everything

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