Das britische Label Cherry Red widmet sich immer wieder mit viel Hingabe der Neuauflage verkannter und übersehener Protagonisten vergangener Tage, die oft nur noch in Sammlerkreisen getauscht werden. Diesmal möchte der Rezensent gleich drei dieser weitgespannten Neuveröffentlichungen, drei solcher „Lektionen in verkannter Musikgeschichte“ weitergeben:
Martyn Bates – Letters Written / Return Of The Quiet
Als die eine Hälfte des britischen New-Wave-Duos Eyeless In Gaza beschritt Martyn Bates
wie zahlreiche Kollegen vor und nach ihm abseitige Solopfade, die der Musikwelt 1982 das Album „Letters Written“ und 1987 „The Return Of The Quiet“ bescherten. Der Titel des Zweiteren verrät auch recht gut, wie Martyn Bates’ Handwerk auf Ersterem klingt: durchwegs ruhiges, hektikfreies „Songwriting“ mit der angenehmen Randerscheinung, dass es vorrangig von Synthetik untermalt ist. Man ziehe etwa die Soloarbeiten von John Foxx (Ultravox), Gary Numan (Tubeway Army) oder Martin L. Gore (Depeche Mode) zum Vergleich heran. Kalte Romantik. Ab Song Nummer 11, der gleichzeitig den Beginn von „The Return Of The Quiet“ markiert, kommt schließlich ein ganzes Bandinstrumentarium zum Einsatz und erweitert damit den Sound in Richtung Bands wie Tears For Fears oder Psychedelic Furs. Inklusive Coverversion von „The Look Of Love“. Große Pop-Qualität abseits der 80er-Hitparaden.
Martyn Bates Official
Martyn Bates-Space
The Butcher Shop – The Butcher Shop
Aus musikalisch weit roheren Gefilden meldeten sich 1988/1989 die Australier The Butcher Shop, angeleitet von Tex Perkins (Beasts Of Bourbon), die sich vor allem von den großen The Gun Club oder auch dem jungen Nick Cave samt Seeds inspirieren ließen. Schrammelnder Grunge (vor seiner Schubladisierung), Mord(s)musik der 90er. „The only good human / is a dead human“ („Death Plug“). Erfrischend fransiger Lärm gegen all die „Youth Culture Sucker“ vergangener und moderner Tage.
http://www.texperkins.net
Eater – The Album
Den Regeln der Klimax folgend kommt zum Schluß folgerichtig: Punk. Und zwar die „klassische“ Variante: Eater. Kurz und knapp heisst das: London, 1977. „Wilde“ Jungspunde. Bandname aus einem T.Rex-Song. Coverversionen von ebendiesen („Jeepster“), David Bowie und Velvet Underground („Sweet Jane“, „Waiting For The Man“). Auftritte im Roxy Club. Der Song „Thinking Of The U.S.A.“ in einer Liste der „best punk-rock singles of all-time“. Singalong-Anreize. Und so weiter.
Oder wie jemand einmal recht scharf formulierte: “Run-of-the-mill dole queue punk rock”. Das Re-Release beinhaltet das Debüt-Album „Eater“ und die Bonus-CD „The Singles Plus“, alles unter dem schlichten Motto: „No Brains“… Für Fans, Sammler und lebenslange Punker.
Eater auf Wikipedia
Mittwoch, 30. April 2008 , 18:42
zwar nicht grad mein gebiet, aber mal ein interessantes special, sehr schön!