Selbst als dezidierter Feind des Sprichwortes kommt man nicht umhin, ein solches ab und an zum Zwecke der Kürze (wenn schon nicht der Würze) zu bemühen. Und damit, dass sich diese eigens ins Leben gerufene Kategorie den sogenannten “heimischen” Musikproduktionen widmen soll, sei die plumpe Betitelung entschuldigt …
Thalija - Thalija II
Das zurecht schon vielgelobte Kollektiv Thalija veröffentlicht seinen zweiten Longplayer (”Thalija II”) und erweist auf ihm erneut dem sogenannten “Post-Rock” seine nicht zu leichtfertig dahergespielte Ehre. Soll heißen: Instrumentales Improvisationsfeld, das mit Loops, Reverbs, Elektronikgeflickere und Gesangseinsprengseln auf der klassischen Dramaturgiekurve vom Glühwürmchenbrummen zum Ionensturmsausen an- und abschwillt. Dabei werden in den zwischen 3:25 bis 22:45 Minuten dauernden Tracks allerlei gedachte Kreise (oder wohl eher liegende Achten) geschlossen.
Vielleicht auch aufgrund hiesiger Lärmschutzgesetze bedächtiger als manch zeitgenössische “Genrekollegen”, mitnichten weniger erforschenswert.
Ungekünstelte Ziellosigkeit.
Am 28.06. live im Kino Ebensee (Filmkonzert), am 16.07. in der fluc-Wanne zu Wien.
Paul Divjak - Aural Siesta
Ein sozusagen “lebendiges Lärmschutzgesetz” ist diese Veröffentlichung des Multitasking-Künstlers Paul Divjak, der man mit dem wohl eher diffamierenden Begriff der “Wassermusik” doch Unrecht tun würde (zumal hier offen von Wellness und Esoterik Abstand genommen wird) - dennoch plätschert Divjaks Klangbach (bewusst und, wie Praktizierende wohl meinen würden, gekonnt gelenkt) durch auditive Entspannungsgefilde für den gestressten Bobo von heute und lässt somit diesen Querverweis allzu rasch in den Sinn kommen.
Titel wie “Silence Of Sleep” und “Everything Is” erweisen ihrem Inhalt alle Ehre.
www.pauldivjak.com
Paul Divjak-Space
Bob - Tom
Zum Glück klingt “Tom” nicht so, wie er heißt. Und weil es bislang nur “Tom” zu hören gibt, kann man dasselbe von Bob behaupten. Jedenfalls haben die so benannten Dolomitenbürger weit mehr Welt zu bieten, als in ihrem Faible für Drei-Buchstaben-Namen mitschwingt.
Mit einer reichhaltigen Soundunterlage wie bei “Tom” (Elektropop bis -punk mit konsequentem Retroflair, durchaus nahe zu Einflüssen wie Men Without Hats und Depeche Mode) lassen sich nämlich solch strittig humoreske Songtitel wie “Ten Little Bob Groupies” oder “Super Mega Very Special Ultra Extra Ordinary Tom” gut verdauen. Zumal die Zeiten, wo man sich, die Welt und einen “Sinn” ernst zu nehmen hatte, ja bekanntlich seit spätestens 1976 vorbei sind.
Dafür winken New Wave und Minimal-Elektronik der goldenen 80er bei Bob für kurze Momente aus dem Jenseits herüber. Am lebendigsten bei “Definetly“, “Brand New Song“, “The Idea Is Good But The World’s Not Ready Yet” und “The Closing Song” (+ Hidden Track). Unter diesen Umständen wirkt es nicht einmal anmaßend, den “King of Pop” wieder aus dem Reich der Versenkung zu holen (”Such A Much Better Place”).
Zum Devo-Umfang fehlt freilich noch etwas mehr als nur ein vierter Buchstabe, aber “Tom” darf als ein erfrischend heroischer Ansatz zur Ahnen- und Selbstwürdigung mit einem großen “Hurra, Bob!” gelobt werden.
www.bob-the-band.com
Bob-Space
Michael Giebl