… does it always rain at the Frequency? Weil der Salzburger Schnürlregen und gefühlte 15 Grad genauso dazu gehören, wie warmes Dosenbier und Dixie-Klos.
Leider wird das FM4 Frequency Festival von Jahr zu Jahr zusehends zu Tode promotet, gehypt und jedes Jahr werden die Wochenendtickets teurer. Es werden zwar groß(artig)e Bands verpflichtet, ansonsten wird der Festivalgeher abgezockt wo es nur geht: Zum ersten Mal war der Shuttle-Bus aufs Festivalgelände nicht im Kartenpreis inkludiert; also € 4,- bereithalten. Wohlgemerkt gilt das Shuttle-Ticket dann wieder für das gesamte Wochenende, aber trotzdem eine äußerst kundenfeindliche Gemeinheit. Von den überteuerten Getränke und Essenspreisen will ich gar nicht erst anfangen. Aufgerechnet auf das ganze Wochenende ließe sich zum selben Preis ein netter Urlaub finanzieren - warmes Bett, Dusche und Halbpension inklusive.
Das Festivalgelände am Salzburg Ring wurde heuer erweitert; wer sich also den Stress antun wollte, konnte gerne zwischen Race Stage (Hauptbühne), Green Stage (ehemaliger Alternative Stage), der neu installierten UK Weekender Stage und der ebenfalls neuen Open Stage - hinterm Mond gleich links - pendeln um das Maximum des Festivalbesuches herauszupressen.
Infolge des unfreundlich-kalten Wetters bei 100% Luftfeuchtigkeit und geschätztem Nord-Ost-Wind, konnte ich mich allerdings nur für den isländischen Teitur dazu überwinden, meinen überdachten Platz am Bierstand zu verlassen.
Die musikalischen Helden des zweiten Tages waren für mich jedenfalls die flippigen Chikinki aus dem United Kingdom. Ihr Elektro-Synthie-Pop versetzte die um 14:30 Uhr eher noch spärliche Partymeute in Stimmung und im Wavebreaker wurde ordentlich getanzt und gesprungen. Anspieltipps für zu Hause: “Lick your ticket” und “Like it or leave it”. Auch die mir bis dahin noch unbekannten Louix XIV waren sowohl sehens- als auch hörenswert. Die Bühnenshow jedoch, genauso wie die Interaktion mit dem Publikum eher mäßig.
Kaum zu glauben, aber wahr! Carl Barat und seine Dirty Pretty Things kamen wirklich zu einem Stelldichein vorbei. Leider ist die Band live eine ziemliche Enttäuschung. Da helfen weder die momentan so angesagten Röhrenjeans, noch der Ringelpulli von Barat. Die schwedischen Hives brachten dann - wie immer - das Publikum mit ihren aggressiven Songs, sowie den Ansagen des äußerst überheblichen Pelle Almqvist zum Durchdrehen. Es wurde gemosht, gerempelt, gekreischt und vom Sicherheitsdienst haufenweise Leute aus der Menge gezogen. Vorwiegend allerdings Burschen, die einfach zu wild waren. Tick, tick, tick … boom! - und tschüss.
Um 22:45 Uhr mit 20minütiger Verspätung war es dann soweit: eine meiner absoluten Lieblingsbands betrat die Bühne. Das Bühnenbild der Manic Street Preachers war schlicht in schwarz gehalten. Lediglich das walisische Wappen mit dem Cymru (Drache) war auf einer sichtbar in die Mitte gerollten Equipmentbox zu sehen. Patriotismus durch und durch! James Dean Bradfield hatte alle Hände voll zu tun, die Crowd nach den Schweden auf seine Musik einzustimmen. Sicherlich auch dadurch, dass die Manics dem durchwegs jungen Publikum unbekannt sind. Nach dem ersten Song musste die Band die Bühne verlassen, weil es anscheinend wegen des Regens Probleme mit dem Ton gab. Nach einer kurzen Pause wurden die Waliser wieder klatschend und jubelnd in Empfang genommen und Bradfield quatschte ein wenig mit den Leuten. Es freue ihn, das erste Mal in Österreich zu sein und bedanke sich bei allen, die trotz diesem unfreundlichen Wetter auf ihren Auftritt gewartet haben. Daher spiele er jetzt ein spezielles Lied nur für das Publikum. Es folgte die mit Abstand beste Coverversion von Rihanna’s “Umbrella”, die sogar Mandy Moore’s Acoustic-Cover meilenweit ins Abseits stellt. Ein genialer Streich Bradfields, denn jetzt hatte er auch das junge Publikum für sich gewonnen und setzte mit dem Nirvana-Cover “Pennyroyal Tea” noch eins drauf. Gegen Ende des Sets wurden dann noch die ganz großen alten Hits wie “A Design For Life”, “Everything Must Go” und ein etwas neuerer Hit “Your Love Alone Is Not Enough” vom 2007er Album”Send Away The Tigers” ausgepackt und während die letzten Takte ausklangen watete ich ziemlich durchnässt, zitternd vor Kälte und doch irgendwie zufrieden in Richtung Shuttle-Bus … endlich heiß duschen! Martina Dickstein
Sonntag, 17. August 2008 , 00:48
ich glaube, kritik am frequency ist sehr angebracht. was hat man nicht schon alles erlebt? campingplatz ohne klos und duschen (2002), lebensgefährliche abhänge (unbeleuchtet und kein richtiger weg, 2002+2003), massenüberfüllung mit paniksituationen, die nur knapp an der katastrophe vorbeigegangen sind (in dem jahr, wo metallica aufgetreten sind), einstürzende brücke mit schwerverletzten, und heuer schlamchaos, auf das die veranstalter nicht vorbereitet sind und wodurch der ganze eigangsbereich und der campingplatz, durch den man immer durch muss, im chaos versinkt. eigentlich sollte man das geld zurückverlangen. musikalisch finde ich , war das frequency immer absolut scheisse, mit ein paar bands als ausnahme, wegen denen man sich dann doch wieder überlegt, hinzugehen. wenn ich nicht eine karte geschenkt bekommen hätte, hätten mich zu diesem schlecht organisierten festival, dessen veranstalter eurozeichen in den augen hat, keine 1000 pferde gebracht. jedes jahr derselbe mist in jederlei hinsicht…
Sonntag, 17. August 2008 , 11:31
echt jedes jahr aufs neue unglaublich… und nirgends sonst gibts auch nur ein kritisches wort zu lesen, das kann’s ja echt net sein!
Sonntag, 17. August 2008 , 13:11
ich glaub das ist die mainstream-falle. verglichen mit den vergangenen jahren ist die besucherzahl ja drastisch angestiegen. was früher ein gemütliches indie/alternative-festival war ist nun so eine art sommercamp für (und das ist jetzt mein persönlicher eindruck) jugendliche, die einfach zu viel geld haben. ich mein, hallo, mittlerweile gibt es auf den campinggeländen fast niemanden mehr der nicht einen minibackofen bzw. eine mikro für fertigpizzen dabei hat (alles gesehen!).
und ich persönlich bin an dem punkt angelangt, wo ich schon alle bands mindestens einmal gesehen habe und mit mitte zwanzig nicht mehr zur zielgruppe gehöre. ich wurde sogar ge-sie-zt, als mich ein bursch nach dem weg gefragt hat. tja, time to say goodbye for me ;-)
Sonntag, 17. August 2008 , 15:04
musikalisch find ich das frequency nicht scheisse - außer dass auffallend oft tonprobleme auftreten, die das konzert vergeigen (diesmal zB bei travis, beim letzten mal als ich dort war, war oasis viel zu leise und queens of the stone age viel zu laut). was mich stört, ist dass absolut schlecht-peinliche kiddie-publikum und die haareraufen-provozierende bis lebensgefährliche organisation. allein, dass es nach wie vor kaum wellenbrecher gibt, finde ich unverantwortlich.
aja, und die abzocke in sachen getränke- und nahrungsmittelpreise is ja wohl sich stets steigernder wahnsinn.
wenn nicht irgendein weltverändernder act mich dazu zwingt, wird man mich am frequency nicht mehr sehen. ich will was gemütlicheres verdammt.
Sonntag, 17. August 2008 , 16:06
Ich find das einfach sehr viel gesudert wird ums Frequency herum. Natürlich sind immer Koffer dabei die sich Scheisse benehmen, aber wenn man mit den richtigen Leuten dort ist ignoriert man diese und macht sich einfach 4 Tage lang seinen Spaß.
Wenn ich so wie der Verfasser der Kritik schon mit langem Gesicht hingehen würde und nur Kritikpunkte suche, dann hab ich auch keinen Spaß.
Der einzige wirkliche Kritikpunkt am Frequency sind die Deppen die teilweise am Zeltplatz herumlaufen, aber die kann man wie gesagt getrost ignorieren. An den Preisen für Bier und Essen kann der Veranstalter nix ändern. Ansonsten wird meiner Meinung nach jedes Jahr etwas verbessert. Ich hatte dieses Jahr nie ein Problem mit Klos oder sonstigem das in der Kritik angesprochen wurde. Ein Festival ist halt einfach kein 5 Sterne Urlaub und jeder weiß was einen Erwartet.
Das war mein fünftes Frequency, und ich hab wirklich schon Schlimmeres erlebt (ausser vom Wetter her).
Sonntag, 17. August 2008 , 18:18
natürlich polarisiert ein festival immer. es ist allerdings eine nicht zu leugnende tatsache, dass früher oder später beim festivalbesuch gewisse annehmlichkeiten des täglichen lebens über die hardsau-punkte eines bier-, zelt- und rockdiescheißefett-wochenendes gewinnen. das ist auch legitim würde ich behaupten.
mit 20 war es mir scheißegal dreckig, nass und sturzbetrunken dort herumzutaumeln, in der nacht keinen schlaf zu kriegen und das ganze wochenende nicht oder selten duschen zu können. fünf jahre und viele konzerte/festivals später komme ich hauptsächlich für die musik zum frequency - nicht des gefühls wegen hier meine maturareise wieder zu durchleben. beim heurigen wirklich verdammt jungen punblikum hab ich mir echt gedacht, die sind hauptsächlich froh keine eltern da zu haben und zu feiern. die bands waren da halt grad das zuckerl dazu.
meine hauptkritik - und kritik ist ja genauso wie lobhudeleien wichtig - gilt aber trotzdem der art und weise, wie manches organisiert bzw. eben nicht organisiert wurde. keine schlange vor den dixies ist zwar super, aber sicher ein minipluspunkt und zum schlechten wetter: hey, ein frequency ohne regen gibts nicht!
Sonntag, 17. August 2008 , 20:27
empfehle überdachtes (im doppelten wortsinne): donaufestival. [url=http://www.dropdeadfestival.com]drop dead festival[/url] (austragungsort: 100jahre-altes theater in lissabon). ;)
musikhören und maturareise lassen sich einfach nicht vereinbaren, man erspare sich doch lieber das ewige enttäuschtwerden.
Sonntag, 17. August 2008 , 20:27
@manuel: das stimmt schon, bei solch einer kritik kann bald einmal der eindruck entstehen, dass hier alles schlecht geredet werden soll. solls nicht, genau aufgrund des enormen potenzials des frequency regt mich das ganze ja so auf. und weil die gesamte medien-berichterstattung echt kein einziges kritisches wort darüber hervorbringt.
aber als veranstaltung muss ich nicht von jahr zu jahr mehr tickets abzusetzen versuchen - 2002, vll. noch 2003 war’s wirklich noch an der grenze der gemütlichkeit. die jahre danach ist das gelände von zigtausend mehr leuten gestürmt worden und darauf war’s und ist’s auch heute noch nicht ausgelegt wie ich meine. und die jedes jahr aufs groben organisationsmängel sind einfach nicht außer acht zu lassen - klar funktionieren inzwischen einige dinge besser als in den anfangsjahren (zb das klosystem), dennoch muss man nach all den jahren erfahrung bspw. die gefahr bei den campingplatz-abgängen bei regen zu bannen wissen oder aber auch die shuttlebus-frequenz wie angekündigt je nach bedarf entsprechend einzurichten und nicht nach dem r.e.m.-tag stündlich fahrn zu lassen, wobei der erste bus (um 1.00 uhr) nicht erreichbar war, ohne dass man das konzert vorzeitig verlassen hat. würd ich in salzburg wohnen wärs ja ein geringeres problem - muss ich aber in der nacht noch den letzten zug nach wien erwischen (kurz nach 2.00 uhr) kann ich das nächste shuttle auch schon vergessen.
und die zunehmende masse an unglaublich zweifelhaftem publikum ist für mich einfach nicht zu leugnen und kein unwesentlicher kritikpunkt. wobei das inzwischen wohl überall der fall ist, wo man sich als hipper “indie/alternative”-event schmückt.
das wiesen aber inzwischen gemeinsame sache mit musicnet/nova music macht (machen muss), ist für mich dabei der schlimmste aspekt. nach all den jahren sukzessiver fragwürdiger marktverdrängung ist der plan aufgegangen und echt niemanden interessierts.
Dienstag, 19. August 2008 , 16:54
Teitur kommt von den Faroer Inseln und nicht aus Island. Entgegen anderer Gerüchte sind das zwei verschiedene Inseln.
Dienstag, 19. August 2008 , 17:45
@schreck: danke für den hinweis. fehler unterlaufen selbst routinierten schreiberlingen ;-)
Donnerstag, 15. April 2010 , 18:46
Ich habe auch ein Problem mit der Masse an zweifelhaftem Publikum, schön gesagt! Teitur ist für mich ein Highlight. Die lassen auch Organisationsmängel vergessen.